kreativatelier

 

* Startseite     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt



* Themen
     geperlt
     gestickt
     gebastelt
     gesägt
     gefilzt
     gemalt
     gestrickt
     gehäkelt
     gepatcht
     genäht
     gehustet

* Links
     Locations of</a><br>
	      <a class=
     stricken mit links
     ingwi's blog
     chic-in-strick
     Anke-Art
     Bastelqueen's Page
     Eule's Handarbeiten
     Petra strickt
     Moni strickt






ein kleines Wandbild

Endlich hat mich mal wieder die Patchlaune gepackt.

Der miniquilt ist ca 30 x 40 cm groß. Die Herzen werden umstickt.

Ein paar Herzen muss ich noch umsticken, dann wird das ganze gefüttert und aufgehängt :-)

10.2.07 10:44


Werbung


Donnerstag, 14.September 2006, Kairo

Wir fahren mit einem Mietwagen nach Kairo. Mittag gehts los. Angenehm, mit Klimaanlage. Wenn nur diese Holperschwellen nicht wären. Sie sollen die Geschwindigkeit niedrig halten, tun sie auch erfolgreich. Höchstgeschwindigkeit ist sowieso 80 km/h. Und damit kommt man sich schon vor wie bei uns mit 150 km/h. Gerade als ich seitlich aus dem Fenster schau und die Landschaft betrachte übersieht Hatem so eine Schwelle und fährt mit knapp 70 Sachen drüber.
Yamina und mich hat's ganz schön aus den Sitzen gehoben, ich knalle leider mit dem Kopf voll ans Autodach, unvorbereitet. Ein lauter Schimpfer meinerseits hallt durch's Auto, gut, dass mich meine Schwiegermama nicht versteht.
In Kairo treffen wir eine deutsche Freundin, die seit Jahren in Ägypten lebt. Wir haben ihr aus Deutschland was mitgebracht. Wir treffen uns im Harries Café in Medan El Korba in der Bagdad Street. Paläste säumen die Straßen. Es ist sauber. Ich betrachte die Passanten. Viele blondgefärbte Ägypterinnen ohne Kopftuch hier. Was für ein Unterschied zu Zagazig. Dort sieht man am Tag vielleicht eine Frau ohne Tuch, und in zunehmendem Maße Vollverschleierte, also mit Gesichtsschleier, wo oft nur noch ein Augenschlitz offen ist, oder gar nichts.
Ein Hauch von Moderne weht durch die Straße, das tut gut. Nur Nildelta geht nicht auf Dauer.
Die anschließenden Verwandtenbesuche sind für mich anstrengend. Stocksteif auf dem Sofa sitzend, lächelnd, kaum etwas verstehend..........langweilig für Yamina und mich. Stunden vergehen. Wir besuchen zwei Familien in Heliopolis, sie wohnen im gleichen Haus. Laufend wird uns Süßkram zu Essen angeboten, ich lehne lächelnd ab, dankeschön.
Danach geht es raus aus Kairo nach Al Rehab, einer modernen Trabantenstadt, closed area. Nur durch ein bewachtes Portal kann man in die Stadt einfahren. Ich habe mich kurzfristig mit einer Bekannten aus einem ägyptisch-deutschen Internetforum verabredet, wir treffen uns, lernen uns kennen und schlendern durch den Souk. Wir verbringen angenehme 2 Stunden bis unsere Fahrt weiter geht zum nächsten Verwandtenbesuch. Inzwischen ist es nach 22.OO Uhr. Erst gegen Mitternacht und einer Irrfahrt durch Kairos Straßen und Gassen kommen wir bei Hatem's Onkel an. Wir bleiben eine Stunde. Yamina ist bereits sehr müde, kuschelt sich im Auto bei mir ein und schläft. Ich trau mich nicht, die Augen zu schließen, passe nun auf alle Schwellen auf der Straße auf. Erst gegen 3.00 Uhr sind wir wieder in Zagazig.
23.9.06 13:53


Dienstag 12.September - Mittwoch, 13.September 2006, Zagazig

Ich fühle mich gesundheitlich nicht so super. Meine Lunge ist durch die Überanstrengung der Alexandriareise und durch den Staub und die Abgase ziemlich angegriffen. Es wird Zeit für die zweite Antibiotikaphase von zwei Wochen Dauer. Ich inhaliere TOBI (Wirkstoff Trobramycin). Eine Inhalationsampulle kostet ca 117 Euro, ich brauche 2 Stück pro Tag. Wahnsinn, was das kostet. Aber die Wirkung ist toll.
Bei meiner letzten Sputumuntersuchung hat sich herausgestellt, dass ich das Bakterium Staphylococcus aureus in der Lunge habe, das ist mit ein Verursacher der Probleme, die ich das letzte halbe Jahr hatte. Immer wieder Gliederschmerzen, starke Verschleimung, immer wieder erhöhte Temperatur.
Jetzt nutze ich hier die Tage, die wir im Nildelta sind, um viel zu schlafen, mich auszuruhen, wenig in die Stadt zu gehen. Yamina ist meist unten bei meiner Schwägerin Rasha und den Kindern Salma (6) und Hatem(5). Ich höre sie bis hier hoch in den 5.Stock kreischen und lachen und quietschen.
Inzwischen fängt Yamina auch an, immer mehr arabisch zu sprechen. Bisher verstand sie alles, antwortete aber auf deutsch. Jetzt, nach zweieinhalb Wochen kommen immer mehr arabische Wörter. Das freut mich sehr.

Das Stromleitungssystem in unserer Wohnung ist offensichtlich noch nicht ganz ausgereift.
Als ich im Esszimmer in einer Steckdose meine Akkus laden wollte und das Ladegerät ansteckte, fing auf einmal die Esszimmerlampe zu leuchten an. Was ist das denn für eine Fehl-Leitung.....
Und seit ein paar Tagen schon bemerke ich in der Küche beim Abspülen leichte Stiche. Ich sprach mit Hatem, er bemerkte es, als ich ihn darauf aufmerksam machte. Er bekam diese Stiche beim Berühren der Hähne am Warmwasserboiler. Unser Spülbecken steht anscheinend unter Strom.............??!?!??!?!
Wenn das Wasser läuft und man mit nassen Händen dann das Spülbecken berührt, kribbelts sehr verdächtig. Nicht, dass man einen richtigen Schlag bekommen würde, es ist vielmehr ein sehr starkes Kribbeln oder fühlt sich an wie leichte Nadelstiche.
Also, was die Handwerker hier vollbringen...........seltsam. Wir lassen das kontrollieren.

Morgen ist ein Ausflug nach Kairo geplant. Mama Nawal will Verwandte besuchen. Erst in Kairo Heliopolis, dann in Al Rehab City, einer künstlich errichteten "Neu-Kairo-Stadt".
13.9.06 18:47


Freitag, 8.September - Montag, 11.September 2006, Zagazig

Ein paar Tage erhole ich mich mit Herumsitzen, Mittagschläfchen, Internetsurfen, Tagebuchschreiben. Gelegentlich habe ich das Gefühl von leicht erhöhter Temperatur, aber kein Fieber mehr. Habe noch Gliederschmerzen ab und zu. Husten tut in den Bronchien etwas weh. Die Bronchien sind gereizt. Der Ausflug nach Alexandria hat viel Kraft gekostet. Wir erholen uns bei der Familie. Yamina spielt im ganzen Haus. Sie ist fit.
Gegen 20.00 Uhr fahren wir mit einem Taxi in die Innenstadt. Wir wollen Möbel ansehen, brauchen einen Schreibtisch. Das Taxi bringt uns an die genannte Adresse. Wir steigen aus. Yamina will getragen werden, sie scheint müde. Kein Möbelhaus in Sicht. Wir fragen. Es ist umgezogen. Wir wollen mit dem nächsten Taxi an die neue Adresse. Ein Auto - ohne Taxischild - hält, man heisst uns einsteigen, wir zögern. Die Autofarbe ist die eines Taxis, aber das Schild fehlt. Vielleicht will sich einer ein paar Pfennig verdienen. Benzingeruch raubt uns fast den Atem. Ich will sofort aussteigen, habe im letzten Jahr schon eine solche Fahrt hingenommen. Wir öffnen alle Fenster, können trotzdem kaum atmen. Hatem verspricht eine Fahrt von höchstens 5 Min. Wir halten durch. Zwischendurch fragt Hatem den Fahrer, ob mit seinem Auto denn etwas nicht in Ordnung sei. Dieser streitet ab, das käme von draussen, bekräftigt er. Wir freuen uns über das Ende der Fahrt, verlassen fluchtartig das Auto und atmen endlich wieder durch, obwohl auch die Aussenluft nicht zum tiefen Atmen geeignet ist. Staub liegt in der Luft, wird von jedem Auto frisch aufgewirbelt. Abgase ebenso. TÜV und Abgassonderuntersuchung gibt es hier nicht. Auch hier, kein Möbelhaus.
Wir gehen ein paar Meter. Habe die falschen Schuhe an, Sand ist im Schuh, meine Zehen wundgerieben, Yamina schläft auf Hatem's Arm. Wir nehmen ein drittes Taxi, wissen nun die richtige Adresse, lassen uns hinbringen. Reges Treiben auf den Straßen, Staubwolken überall. Wir steigen aus. Wo ist das Möbelhaus? Es gibt nur einen kleinen Laden, ca 50 qm, vollgestopft mit folienverdeckten Möbeln. Eine kleine Gasse in der Mitte ist freigelassen, damit man bis zum Ende des Möbellagers durchgehen kann. Ein Schreibtischmodell gefällt uns. Der genannte Preis ist zu hoch. Meine Anwesenheit schraubt alle Preise in die Höhe.
Wir brechen unsere Tour ab, nehmen ein weiteres Taxi, das uns nach Hause bringt.

Am späten Sonntag Abend sind wir in der Wohnung von Hafza, Hatem's Schwester. Sie hat ihr Strandzelt in der Wohnung aufgebaut, für Yamina. Sie ist inzwischen wieder wach, frisch bereit für neue Späße. Sie hat alle Spielsachen im Zelt (Grundfläche ca 2 qm) verstaut. Nun trägt sie alle Kissen der Wohnung hinein, sie will eine Sing-Party veranstalten. Alle müssen ins Zelt. Yamina, ich, Hatem, Hafza, ihr Mann Adel, der Sohn Moamen. Erst singen wir schweißüberströmt "Oh Tannenbaum", was für eine skurrile Situation, dann ägyptische Kinderlieder. Wir dürfen die Zeltparty wieder verlassen und trinken Tee.

Wir planen den nächsten Ausflug. Ans Meer. Angedacht ist Ain Sokhna am Roten Meer, was wir aber wegen der Hitze verwerfen. Mittelmeer scheint uns erholsamer. Port Said soll es sein.
Wir werden uns vor Ort ein Hotel aussuchen.

Mich wundert, dass die Menschen hier ihr Lachen noch nicht vergessen haben. Zagazig ist immerhin eine Universitätsstadt, hat 1.5 Millionen Einwohner. Vielerorts in Ägypten, in den Dörfern im Nildelta ist es ein Kampf ums Überleben. Umweltschutz konnte ich auf meinen Fahrten durch das Delta nicht erkennen. Müll säumt die Straßen, manchmal brennt ein Müllhaufen. Die Ufer der Bewässerungskanäle sind verdreckt, daneben wird das Geschirr gewaschen. Der Gedanke, die Umwelt für die nachfolgenden Generationen zu schützen, kommt hier gar nicht auf, glaube ich. Es geht bei manchen Menschen nur um das Hier und Heute, wie bekomme ich meine Kinder heute satt. Was morgen ist, wird inshallah schon werden.
11.9.06 13:58


Donnerstag, 7.September 2006, Alexandria

Heute ist Abreisetag. Wir planen, am späten Nachmittag einen Bus zu nehmen, der uns zurück ins Nildelta bringt. Hatem's Bruder fährt am späten Vormittag zum Busbahnhof, um Tickets zu reservieren. Die Koffer sind alle gepackt, wir haben bereits ausgecheckt. Wir gehen mit den Kindern wieder in den Club, frühstücken, spielen. Gerade als die Kinder in den Pool wollen, gegen 11.00 Uhr, kommt ein Anruf von Zohir, wir sollen uns gleich auf den Weg machen, es gäbe nur einen Bus, um 13.00 Uhr. Salma weint, sie will unbedingt noch Planschen. Sie darf, der kleine Hatem auch. Ich fürchte schon, dass Yamina nun auch will, doch sie lehnt zum Glück ab. Dafür darf sie Tretauto fahren. 15 min Planschzeit wird vereinbart, dann packen wir hektisch zusammen und gehen zum Hotel. Ein Taxi bringt uns zum Busbahnhof. Die Zugluft macht mich mürbe. Wir steigen in den Bus, der schlecht klimatisiert ist. Die Fahrt geht los.
Leider hat Hatem's Bruder nur 6 Sitzplätze reserviert, so dass wir Yamina auf unseren Schoß nehmen müssen, samt ihres 40-cm-Riesenballons. Es ist eng. Ich sitze am Fenster. Sonnenseite. Alle Vorhänge sind zugezogen, trotzdem ist es heiss. Vor uns im Bus sitzt eine ägyptische Familie mit ca. 1,5-jährigem Kleinkind, das kurz nach der Abfahrt Yaminas schönen schwebenden Gasballon entdeckt hat und seitdem penetrant kreischt. Ich stelle mich zuerst dumm, habe Angst um Yamina's Ballon, an dem ihr Herz hängt. Wir lassen uns erweichen und geben ihn nach vorn. Wir sind nicht begeistert, als wir sehen, mit welcher Kleinkindkraft das Mädchen den Ballon bearbeitet. Er wird gezerrt, gezogen und geschlagen. Hoffentlich geht er nicht kaputt. Ich warte auf eine erzieherische Maßnahme der ägyptischen Eltern, ihr Kind doch etwas zurückzuhalten. Aber nein, gemeinsam amüsiert man sich. Ich fürchte schon ein Drama, aber der Ballon hält. Yamina will ihn zurück. Ich verschärfe meinen wortlosen Blick auf die Vorderreihe, Yamina streckt ihre Hand vor, es wirkt. Wir bekommen den Ballon zurück. Wieder Gekreische von der Vorderbank. Ohrenbetäubend. Ich finde noch einen Luftballon in meiner Handtasche, frage Yamina, ob wir ihn dem Mädchen schenken wollen, damit sie endlich Ruhe gibt. Ok. Gesagt, getan. Der Ballon wird angenommen aber nicht aufgeblasen, scheint wohl uninteressant, sie wollen wieder den Gasballon. Noch einmal leihen wir ihn aus, müssen zusehen, wie er gequält wird, holen ihn zurück. Wir wickeln das Objekt der Begierde in unsere "überall-dabei-Schmuse-Decke". Jetzt kann er nicht mehr zur Decke schweben. Wir hoffen auf die "Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn"-Taktik. Es wirkt. Irgendwann bläst der Papa den geschenkten Ballon auf, der nach kurzer Quälerei platzt.
Warum haben diese Eltern kein Spielzeug für ihr Kind dabei? Dem Mädchen wird Orangenlimo eingeflösst, als Ablenkung versucht der Papa ihre Aufmerksamkeit auf den am Bus-Fernseher flimmernden Horror-Film zu lenken. Eklige hausgroße Spinnen, die sich zu menschentötenden Monstern entwickeln bestimmen das Geschehen. Warum werden solche Filme gezeigt? Amerikanisch mit arabischem Untertitel? Ein Horror-Schocker am Nachmittag? Yamina sieht zum Glück nicht hin.
Die Fahrt zieht sich endlos. Ich kann kaum den Vorhang öffnen, um die Landschaft zu betrachten, denn sonst sticht die gnadenlose Nachmittagssonne auf Yamina und mich.
Yamina wird müde, ich krame ihren Sterntaler-Clown aus der Tasche, seit 4 Jahren ihr treuer Begleiter und Einschlaf-Freund. Kaum eine Sekunde in der Hand, kreischt auch schon das Mädchen auf der Vorderbank. Sie will unseren Clownie. Ich schalte auf stur, Yamina ringelt sich auf meinem Schoß ein, will schlafen, schmust mit Clownie, ich schließe die Augen, bin nicht zu sprechen. Minutenlang. Ebensolange ohrenbetäubendes Geschrei vorne. Madame Ägypterin steigert sich so dass sie Würgen muss. Hatem meint, wir sollen ihn ihr kurz geben. Yamina wird befragt und sie gibt ihren heissgeliebten Freund nach vorn. Bald darauf ist das Mädchen eingeschlafen. Clownie hat auch auf sie ihre Wirkung übertragen. Was für ein Segen. Wir bekommen Clownie zurück.
Nach 4,5 Stunden Fahrt incl. einer halbstündigen Teepause sind wir endlich erschöpft in Zagazig. Ein Taxi bringt und durch den Stop-and-go-Verkeht nach Haus. Endlich Ruhe. Wir sitzen bei den Schwiegereltern in der Wohnung. Abendessen. Ich bin sehr müde.
Gegen 19.00 schleppe ich mich noch in den 5.Stock, lege mich aufs Bett und friere. Vor Erschöpfung. 32°C im Zimmer. Ich ziehe die Decke über mich, friere. Ich suche ein wattiertes Sweatshirt, Socken. Friere.
Merke, dass Fieber kommt. Gegen 22.30 habe ich 40°C. Unruhig wälze ich mich hin und her. Als das Fieber seinen Höhepunkt erreicht hat, nehme ich Ibuprofen und einen kühlen Waschlappen für die Stirn. Die Nacht ist unruhig, aber am Tag drauf ist das Fieber wieder unten.
11.9.06 13:57


Mittwoch, 6.September 2006, Alexandria

Vormittags entspannen wir uns wieder in gepflegter Atmosphäre im Ingenieursclub. Die Kinder planschen glücklich, fahren kreuz und quer mit ihren Mini-Tret-Autos oder Batterie-Autos, bekommen jeder nen gasgefüllten Ballon zur vollkommenen Glückseligkeit. Am Nachmittag essen wir zu Mittag im klimatisierten Restaurant des Clubs. Wieder bin ich appetitlos, habe etwas Magenzwicken. Die Suppe ist bräunlich-trüb, schmeckt, wie sie aussieht, ich verzichte. An das anschließende Hauptgericht kann ich mich gar nicht mehr erinnern.
Salma will unbedingt im Meer planschen, seit Jahren wünscht sie es sich. Es ist 18.00 Uhr. Wir gehen an den Strandbereich, wo man vor lauter Plastikstühlen kaum den Sand sieht. Wir finden ein Plätzchen, die Kinder werden mit Schwimmreifen und Schwimmflügeln ausgestattet und staksen ins schmutzige Wasser. Der Strandbereich im Club ist nicht sehr attraktiv, es ist wie eine Lagune angelegt, es findet kaum ein Frischwasserzufluss statt. Trotzdem sind wahnsinnig viele Leute im Wasser, kreischen, planschen. Wir wundern uns. Die Kinder gehen an den Händen ihrer Papas knietief ins Wasser, scheint zu reichen. Einladend ist es nicht. Wir beschließen, wieder in den Poolbereich zu gehen, doch als wir ankommen ist die Badezeit beendet, um 19.00 Uhr müssen alle aus dem Wasser. Schade.
Wir gehen ins Hotel zurück, machen uns stadtfein und beschließen, zum Restaurant "Mohamed Ahmed" zu fahren. Es ist berühmt für Foul(Bohnenbrei) und Falafel( frittierte Kichererbsenbällchen). Glücklicherweise bekommen wir schnell einen Platz. Schnell wird serviert, es schmeckt ausgezeichnet. Kein Fleisch. Ich esse mit Appetit.
Es ist schon wieder spät am Abend.
Gegen 23.00 Uhr verlagern wir unseren Standpunkt ins Straßencafé eines Nobelhotels an der Corniche. Auch hier Verkehrsgetöse, Abgase. Wir trinken Tee, die Kinder Mangosaft. Wir plaudern und beobachten die Leute. Straßenhändler versuchen pausenlos uns ihre Ware feilzubieten. Gefälschte Rolex, Erdnüsse, Socken, Glitzer-Blinker-Ramsch "Made in China". Die Kinder bekommen Glitzer-Blinker-Gummibälle und sind glücklich.
Plötzlich Hektik am Straßenrand. Ein Kellner nimmt von unserer Sitzgruppe entschuldigend einen leeren Rattansessel weg. Eine Frau ist zusammengebrochen. Wir lugen in die besagte Richtung. Man hebt sie auf den Stuhl. Ihr tuchverhüllter Kopf sinkt nach hinten auf die Lehne. Minuten vergehen. Man hält ihr ein wohl mit Parfum getränktes Tuch an die Nase, fächelt ihr Luft zu. Sofort bildet sich ein Ring aus Schaulustigen um sie, mit lauten "Yalla"-Rufen werden diese verscheucht.
Irgendwann hebt sie den Kopf wieder, scheint zu sich gekommen zu sein.
Man führt sie ins Straßencafé des Hotels, wo sie wieder zusammensinkt. Selbst in ihrer Ohnmacht sprüht sie vor orientalischer Theatralik, dass ich mich des Gedankens nicht erwehren kann, es handle sich hier um eine Inszenierung. Mit fast lasziver Geste führt sie den Handrücken der beringten Hand zur Stirn, die Augen geschlossen. Wieder lässt sie sich ein parfümiertes Tuch reichen. Ein von Kopf bis Fuß in ein weisses langes Gewand aus feinem Tuch gehüllter Araber, feingliedrig, schmal, elegant, mit klassischem weissen langem Tuch samt schwarzem Ring auf dem Kopf geht zu ihr, fühlt kurz den Puls, legt seine Hand auf ihren Kopf. Ich vermute ein Saudi-Paar.
Sie wechseln ein paar Worte. Dann erhebt sich die aus der Ohnmacht Erwachte, wird zu einem Taxi geführt, der Araber holt Scheine aus einer Gewandtasche, gibt dem Fahrer Instruktionen. Die Dame sinkt auf die Rückbank, lässt erneut sehr theatralisch ihr Haupt auf die Lehne sinken. Das Taxi rauscht hupend davon. Der Araber geht maßvollen Schrittes in eine andere Richtung. Das Schauspiel ist vorbei.
11.9.06 13:56


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung