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Dienstag, 5.September 2006, Alexandria

Bei unserem Abendspaziergang gestern entdeckten wir, dass schräg gegenüber des Hotels der Ingenieursclub liegt. Hatem hatte war seinen Gewerkschaftsausweis vergessen aber im ägyptischen Pass steht auch die Berufsbezeichnung. Ich überredete ihn, es mit dem Pass und einer Visitenkarte seines Münchener Arbeitgebers zu versuchen. Es klappt. Wir dürfen rein. Hach, hier ist es schön. Gepflegter Service, große Schirme, Strandbereich mit vielen Sitzgelegenheiten, saubere Toilettenanlagen, viele Cafeterias, Snack-Stände, Kinderpool, Spielplatz, Meeresluft. Hier lässt es sich aushalten. Wir verbringen den ganzen Tag hier, die Kinder planschen glücklich, wir Erwachsenen genießen die Luft, Tee, Essen, Entspannung. Wir verdauen den Schock der Schimmelwohnung.
Leider müssen wir unser Veranda-Zimmer räumen, Buchungsfehler. Es ist ein Abstieg. Das neue Zimmer hat gut 3 Sterne weniger. Verdient mehr den Namen Absteige denn "Hotel". Angeblich kommt ein Stammgast der immer das Verandazimmer bucht. In mir kommt sofort die Frage auf, welch ein Mensch in diesem Hotel Stammgast sein will. Unser neues Zimmer ist eng, ohne Klimaanlage, ohne Ventilator, hat ein schmutziges Bad, liegt näher an der Straße, laut, sehr laut, da ohne verglaste Veranda, nur mit brüchigem Minibalkon den wir nicht zu betreten wagen. Wir trösten uns damit, dass es nur zum Schlafen ist. Gut, dass wir eigene Bettwäsche dabei haben, das beruhigt die Nerven.
Am Abend beschließen wir, noch einen Spaziergang an der Corniche entlang zu machen. Wir schlendern zwar an der Meeresseite entlang, aber der tosende Verkehr übertönt die Brandung. Abgase vermischen sich mit Salzgeruch. Wir wollen einen Badeanzug kaufen. Man hat uns eine Geschäftsstraße in ungewisser Entfernung empfohlen. Wir marschieren los........die Kinder rennen voraus, zurück, voraus, zurück. Sie sind übermütig. Immer wieder fragen wir nach dem restlichen Weg, bekommen unterschiedliche Aussagen, noch 15 min, noch 5 min. Wir wandern weiter, ich in ungeeignetem Schuhwerk (flip-flops). Yamina's Sandalen reissen. Gleich im ersten Schuhgeschäft finden wir ein passendes Paar neuer hellblauer Sandalen mit Glitzerschmetterlingen. Sie ist glücklich, die hat sie sich immer gewünscht. Kleinmädchenträume.
Wir sind alle müde. Seit über zwei Stunden wandern wir nun schon. Yamina wird inzwischen getragen, sie ist müde, es ist bereits Nacht. Es müssen über 8 Kilometer gewesen sein, bis wir endlich gegen Mitternacht einen Badeanzugladen finden. Ich such ein paar Modelle aus, ob sie passen, weiß ich nicht, probieren geht nicht. Wir sind alle zu müde. Die Stimmung kippt. Wir sind soooooooo weit gelaufen, um einen "muslimischen" Badeanzug (mit langem Bein und angeschnittenen Ärmeln zu finden) und jetzt sind wir am Ende unserer Kraft. Ich breche die Aktion ab, verzichte auf weitere Läden. Schweigend wandern wir einen Kilometer zurück ins "Mo'men"-Fast-Food-Restaurant. Die Erschöpfung und die Müdigkeit rauben mir jeden Appetit. Yamina hat sich auf meinem Schoß eingeringelt, ich habe sie mit unserem "überall-dabei-Schmuse-Schlaftuch" zugedeckt, sie schläft tief und selig. Sie kann überall schlafen, beim größten Lärm, in der unmöglichsten Lage, welch ein Segen. Der 5-jährige Hatem schläft im Sitzen auf seinem Stuhl ein während wir auf das Servieren des Essens warten. Er fällt fast vom Stuhl. Die 6-jährige Salma ist blass vor Müdigkeit, will zu ihrer Mama auf den Schoß, diese lehnt ab. Salma friert, denn die Klimaanlage ist auf Frost eingestellt. Ihre Ma gibt ihr nur ein kleines T-Shirt, das sie sich vor die Brust halten soll, statt es anzuziehen. Ich versteh das nicht. Ich deute an, sie solle es anziehen. Sie lehnen ab. Ihr Problem. Ich misch mich nicht mehr ein. Bin auch zu erschöpft.
Das Essen kommt. Ohne Appetit esse ich ein Shawerma-Brötchen, denke an die Bakterien im Fleisch schicke ein Stoßgebet zum Himmel, dass kein Botulinus-Toxin drin ist und schlucke alles runter. Alles egal jetzt. Hoffe auf die zersetzende Wirkung der Cola.
Heimwärts nehmen wir ein Taxi, fallen alle todmüde ins Bett.
11.9.06 13:55


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Montag, 4.September 2006, Fahrt nach Alexandria

Wir fahren mit einem Taxi zum Busbahnhof, wo um 13.00 Uhr der West-Delta-Bus nach Alexandria losfährt. Klimatisiert. Die Fahrt ist gar nicht so schlecht, jedes Kind (inzwischen hat Hatem's jüngerer Bruder die inzwischen 6-jährige Tochter und noch einen 5-jährigen Sohn) hat einen eigenen Sitzplatz.

Wir fahren gemütlich durchs Nildelta. Ich sauge die Landschaft in mich auf. Lasse alles klimatisiert an mir wie einen Film vorüberziehen. Ich sehe Maisfelder verschiedenster Reifegrade, junge Pflanzen, erntereife Felder, hier gibt es mehrere Erntezyklen. Reis wird auch angebaut, Reisfelder soweit das Auge reicht. Schatta auch (Chilischoten). Esel werden ins Feld getrieben, oder sie tragen schwer beladen die Ernte zurück in die Dörfer. Ich sehe Frauen, die in schmutzigen Seitenkanälen ihre riesigen silbrig glänzenden Blechtöpfe waschen. Das Licht ist trüb im Delta. Die Feuchtigkeit steht in der Luft. Draussen stockt die Hitze.
Plötzlich laute Musik, Lärm dringt herein. Junge Leute sitzen singend, trommelnd auf einem Pferdewagen. Sie feiern. Ein Hochzeitspaar wird seine Wohnung einrichten, neue Möbel werden in die Wohnung geschafft. Ein Grund zum Feiern.
Konisch zulaufende Türme mit kleinen Löchern und kurzen, ca 15 cm lang herausragenden Stangen prägen das Landschaftsbild. Es sind Taubentürme. Dort werden sie gezüchtet. Eine regionale Delikatesse.

Palmen, dattelschwer. Roh zusammengezimmerte Unterstände aus Bambusrohr und geflochtenen Schilfrohrmatten bieten mageren Kühen Schatten.
Wasserräder drehen sich ächzend und pumpen das kostbare Nass in die von Fellachen gearbeiteten Bewässerungsgräben.

Monoton verläuft die Fahrt. Nur das Geballer eines Actionsfilms, der die Reisenden im Bus wachhalten soll, stört die Apathie, die sich im Bus breitgemacht hat.

Nach etwas über 4 Stunden und einer halbstündigen Pause kommen wir in Alexandria an. Ein Taxi ist schnell gefunden, das uns in die Ferienwohnung bringen soll. Wir sind voller Erwartung auf einen schönen Kurzurlaub.
Wir quetschen uns in altbekannter Manier ins Taxi. Vorn ein überdimensional dicker Fahrer, dessen Masse schon seitlich über die Handbremse zu quellen droht. Daneben pferchen sich Hatem und sein Bruder auf den Beifahrersitz. Die Tür geht kaum zu. Hinten sitzen Rasha, ich und die drei Kinder, sowie eine Reisetasche und eine Kühlbox.
Wir werden durch Alex kutschiert, ich habe keine Orientierung. Merke nur, dass mir nichts bekannt vorkommt und wir für meinen Geschmack viel zu weit vom Meer entfernt sind. Hier sind schon wieder Maisfelder, Palmenhaine. Das kann nicht in Meernähe sein. In irgendeinem namenlosen Stadtviertel in einer für mich namenlosen und gesichtslosen Straße bremst das Taxi. Aussteigen, wir sind da. Mir schwant nichts Gutes.
Wir warten auf den Hauswart. Ich sehe mich um, staubige Straßen, radfahrende Kinder, kein Meer in Sicht. Schlurfend in Gummisandalen und schmutziger Galabiyah kommt der Hauswart und führt uns durch ein lichtloses Treppenhaus in den ersten Stock. Beim Öffnen der Tür strömt mir schon Schimmelgeruch entgegen..........ich will kaum die Wohnung betreten. Muss aber rein. Man steht sofort im "Salon" oder auch "Reception" genannt. Das soll unser Wohnzimmer für die nächsten 4 Tage sein. Es stehen 4 Plastikstühle verschiedener Farbgebung an der Wand aufgereiht, die nicht in der Lage sind, den kniehoch an der Wand hochwuchernden Schimmel zu verdecken. Ich ringe um Fassung, kann mich grad noch beherrschen, bekomme kein Wort heraus. Denke nur......ich kann hier nicht bleiben.
Die Sicherung fällt laufend aus, als der Hauswart in allen Räumen Licht anschaltet. Ich stehe immer noch. Kann mich nicht setzen. Ekel. Putz blättert von der Wand. Fluchtgedanken machen sich breit.
Ich habe nicht den Eindruck, dass die anderen so sehr geschockt sind wie ich. Niemand äussert Kritik. Oder finden auch sie keine Worte?
Langsam wage ich mich weiter vor. Ein Blick in die Küche, Schimmel auch hier. Der Herd....schwarz. Ein Blick ins Bad. Schimmel. Dreck. Ohne Worte. Der Warmwasserhahn an der Badewanne ist mit einem dreckigen Tuch abgebunden. Am Waschbecken wackelt die gesamte Armatur derart, dass ich nicht wage, das Wasser aufzudrehen. Die Toilette spottet jeglicher Beschreibung. Schimmel in jedem Raum.
Ich sehe wohl ziemlich unglücklich aus, nehme endlich allen Mut zusammen und setze mich auf einen der unsäglichen Plastikstühle im "Wohnzimmer". Rasha sieht mich an und fragt: "Wehsha?" (hässlich?) Ich antworte mit ziemlichem Brass in der Stimme:"Wehsha auwi". (sehr hässlich) Sie fragt nach in englisch-arabisch:"Wehsha for your lung?" (sie weiß, dass ich eine Lungenerkrankung habe). Ich antworte noch wütender, verzweifelter:" Wehsha for my eyes, wehsha for my lungs, wehsha for all."
Man sagte mir, dass man morgen gleich ein neues Quartier suchen werde. Es war inzwischen nach 19.00 Uhr. OH NEIN, nun wurde ich ungemütlich. Nicht morgen, heute noch, jetzt auf der Stelle.
Gesagt getan. Es wurde ein Hotel angerufen und wir fuhren mit einem Taxi dorthin. Wieder eingepfercht, müde, verschwitzt, enttäuscht.
Wir kamen eine halbe Stunde später im "New Swiss Cottage Hotel" direkt an der Corniche an. Achtspurig tost der Verkehr nach Osten und nach Westen. Abgase liegen schwer in der Luft. Die bescheidene Eingangshalle des Dreisterne-Hotels ist gepflegt, sauber. Das tröstet.
Unser Zimmer ist groß mit einer verglasten Veranda vornedran, Meeresblick. Fenster auf. Verkehrsgedonner. Fenster wieder zu. Erst mal duschen. Das tut gut.
Frisch gewaschen lässt sich alles viel besser ertragen. Wir sind "zufrieden".
Spätabends spazieren wir noch etwas an der 8-spurigen Corniche entlang, gehen im Pizza Hut essen. Beim Heimweg wird Yamina getragen, sie schläft schon ein.
11.9.06 13:54


Samstag, Sonntag,2.-3.September, 2006, Zagazig

Wir ruhen uns aus, keiner hat Lust auf einen Ausflug. Wir brauchen etwas Ruhe und Hatem genießt die Gespräche mit seiner Familie. Ich genieße den Internetanschluss. Yamina genießt ihre Cousins und Cousinen und spielt ausgiebig Verstecken und Nachlaufen. Stundenlang.
Inzwischen planen wir unseren nächsten Kurztripp ans Meer. Vor 6 Jahren waren wir mit Hatem's jüngerem Bruder und dessen Frau und dem damals 8-monatigen Tochter in Marsa Matrouh und Alexandria, das war wunderschön. Wir hatten in Alex eine Wohnung im Stadtteil El Maamoura. Sehr gepflegt mit wunderbarer Terrasse, nur wenige Gehminuten durch ruhige Straßen bis zum Strand. Herrlich.
Leider war diese Wohnung schon belegt, es wurde eine andere gebucht. Wir wollen von Montag bis Donnerstag nach Alexandria.
11.9.06 13:53


Freitag, 1.Sept.2006, Rückfahrt durchs Nildelta

Für heute ist die Rückfahrt nach Zagazig geplant. Ich möchte mit dem Zug fahren, endlich Platz haben. Hatem auch. Der Bruder unserer Gastgeberin kommt vorbei, sagt, er nehme einige Koffer unserer Gastgeberin und den 12-jährigen Mohammed mit, damit wir im Auto mehr Platz haben. Ich bin sooooooooooooo frooooooooooooooh. Dann brauchen nur wir Menschen uns reinpferchen, ohne Taschen zwischen den Knien und ohne Koffer auf dem Schoß. So gegen 12 Uhr sind alle abfahrbereit.
Ich stelle unsere Koffer in den Flur und was sehen meine müden Augen da? Berge von Taschen und Tüten die offensichtlich doch ins Auto müssen. Was hat der Bruder da mitgenommen? Nichts. Angeblich sei sein Auto auch schon voll gewesen.
In glühender Mittagssonne versuchen mein Mann und Redda das unmögliche Unterfangen, die Taschen in den viel zu kleinen Kofferraum zu quetschen. Ich bin schon wieder gereizt. Was steht und wieder für eine Fahrt bevor? Unser Wunsch, mit dem Zug zu fahren wird abgelehnt.
Wieder muss ich schreiben, dass es gut ist, vorher oft nicht zu wissen, was auf einen zukommt.
Hatem merkt meine Stimmung und versucht mich zu besänftigen. 3 Fahrtstunden mit 2 Pausen........komm, das geht schon........
Ok, ich glaube ihm.

13 Uhr. Wir pferchen uns wieder rein. Wieder mit Taschen zwischen den Knien und Hatem mit einem Koffer auf dem Schoß. Ich Yamina auf dem Schoß.
Der unsympathische 5-jährige Sohn unserer Gastgeberin, ein sehr verzogenes Exemplar von Kind sitzt zum Glück vorne. So muss ich mir sein Gesicht nicht dauernd ansehen. Nie lächelt er, nie kommt ein freundliches Signal von ihm. Er steht auf, geht mit Motzgesicht und kreischender Stimme zu seiner Mutter, setzt sich auf ihren Schoß und lässt sich füttern, wenn er überhaupt bereit ist, den Mund mal aufzumachen, um Essen aufzunehmen und nicht immer nur mit penentranter Stimme zu motzen.
Mir ist schon nach wenigen Metern die Lust auf Unterhaltung vergangen. Schweigend hänge ich meinen Gedanken nach, hoffe so, schneller anzukommen. Nach ca 5 Kilometern der erste Stop. Was, jetzt schon?
Man will beten. ok. Respektiere ich. Wir halten an einer Moschee am Straßenrand. Das Auto steht in der Mittagsglut. Motor ist aus. Klimaanlage ist aus. Will man uns Frauen verbraten lassen?
Wir machen die Fenster auf. Wenistens ein leichter Lufthauch weht durch's Auto. Bringt Fliegen mit herein. Egal. Ich schweige, denke.
Nach ca 30 Minuten fahren wir weiter.
Ich denke, jetzt gehts mindestens eine Stunde lang zügig voran. Fehlanzeige.
Nach 5 min muss der "Herr Sohn" auf Toilette.
Nein, wir standen nicht gerade und hatten ne Pause..........nein, der "Herr Sohn" muss jetzt.
Wir halten wieder, fahren aber gleich weiter.
Wieder denke ich, dass es jetzt zügiger weitergeht. Fehlanzeige. Nein. Es muss getankt werden. Ok. Ist halt so. Redda will noch nen Kaffee. Wir alle anderen lehnen ab, wir wollen endlich weiter, heim. Sind ja nur wieder wir, die wir auf der Rückbank zusammengequetscht sitzen und seine Frau mit Sohn sich den Beifahrersitz teilen muss. Herr Redda hat ja den meisten Platz auf dem Fahrersitz und schert sich einen Pfifferling um uns, denkt nicht im geringsten an seine Fahr"gäste". Er geht also Kaffeetrinken. Wir sitzen wieder in der heissen Sonne im Auto. Minuten vergehen, er kommt nicht. Ich denke, da nutze ich schnell die Pause und steig kurz aus um die Füße zu vertreten und ein WC aufzusuchen. Was für ein Glück, dass ich ausstieg. Das war die sauberste Toilette, die ich je gesehen hab. Sie wurde vom Boden bis zur Decke mit einem Wasserschlauch ausgespritzt. Endlich sauber. Was für ein gutes Gefühl.
Endlich endlich fahren wir weiter. Und wieder kommen unzählige Holperschwellen auf der Straße.
Überflüssig zu erwähnen dass sich Redda bei der Durchfahrt durch Alexandria auch noch verfahren hat. Nach Stunden durch das Nildelta mit 80 km/h Höchstgeschwindigkeit kommen wir in Kafr el Ziat an, dort machen wir Pause. Wir gehen ins Restaurant "Um Mohammad". Vor dem Restaurant hängen an einer Metzgerei in weiße Tücher gehüllt "Hängetiere" (wie Yamina und ich sie nennen). Geschlachtete Tiere hängen von Haken und sind in weisses Tuch gehüllt. Mir vergeht von einer Sekunde auf die andere der Appetit. Im Restaurant versucht man mir gefüllte Tauben, gebratene Kaninchen, Hackfleisch-Köfta etc anzubieten. Oh nein danke. Ich nage an einem Fladenbrot, das ich ab und zu mal in Molochiya (Spinatsauce) tunke. Mein Magen ist wie zugeschnürt. Ich trink noch eine Cola und einen Tee. Ende.
Weiter geht die Fahrt nach einem weiteren schrecklichen Toilettenbesuch. Warum nur muss hier alles so unsauber sein.
Erst gegen 20.00 Uhr, nach 7 sich unendlich in die Länge ziehenden Stunden kommen wir in Zagazig an. Wir sind so erschöpft.
9.9.06 17:03


Mittwoch, 30.August 2006, Green Beach Nähe El Alamein

Nach einem späten Frühstück gehen wir heute nicht an den Strand sondern in den Poolbereich. Er ist riesengroß, hat verschiedene runde Becken und eine Riesenrutsche.
Leider ist das Timing nicht optimal, da wir uns nach unseren Gastgebern richten müssen und gehen exakt in der Mittagshitze zum Freibad. Yamina und ich stürzen uns sofort in die Fluten, Lichtschutzfaktor 50 auf Gesicht und Schultern, Yamina bekommt ne Ganzkörper-Sonnencreme-Packung. Wir setzen ne Kopfbedeckung auf, denn der Pool ist natürlich nicht beschattet und die Sonne steht senkrecht über uns.
Wir planschen ewig lange. Yamina will gar nicht mehr raus.
Nun ist die Riesenrutsche geöffnet. Natürlich muss ich mit Yamina rutschen, bin ja nicht so scharf drauf, aber ich stürze mich ins Abenteuer. Erst mal hunderte Treppen hoch. Ich wünsche mir eine TÜV-Prüfung sowohl des Eisengestänges mit Holzstufen, als auch von der Plastikrutsche...................typisch Deutsch............ich muss schmunzeln.
Der Rutschenverlauf sieht gar nicht mal so steil aus.
Ich setze mich auf die Rutsche, nehme Yamina auf den Schoß und meine, nun locker runterrutschen zu können. Aber nichts da. Mit den Händen zieh ich mich ein, zwei Meter vorwärts. Nichts rutscht. Ich klebe mit meiner Hose an der Rutsche fest. Keine Chance. Yamina meint:"Ich rutsche alleine".........ich kann sie noch halten.
Auf allen Vieren krabbeln wir zurück zum Start, wo schon eine Horde rutschwütiger Kinder und Jugendlicher wartet. Ich erkläre dem Bademeister auf arabisch, dass meine Hose nicht rutschgeeignet ist:"Maa pantalon di misch mumkin."
Wir stehen am Start und schauen zu, wie die anderen das machen. Sie legen sich auf den Rücken. Aha. Das ist wohl der Trick dabei. Man muss liegen.
Ok, wir probieren es nochmal. Ich lege mich hin, lege Yamina auf mich drauf. Wieder klebe ich fest. Ein netter Jugendlicher will mich mit seinen Füßen auf meinen Schultern runterschieben. Auch das klappt nicht ganz. Wir müssen alle lachen. Ich sag zu ihm, er solle Yamina mitnehmen, ich käme hinterher. Gesagt, getan. Er schnappt sich Yamina und sie rutschen davon, ich gleich hinterher, habe Sichtkontakt. Man muss die Schultern flach auf die Rutsche drücken und die Fersen auch, Körperspannung, Popo hoch und los gehts. Hui, die Fahrt wird rasant, Bremsen kann man, indem man die Körperspannung etwas reduziert. Gar nicht so schlecht. Unten wartet wieder ein Bademeister um die Rutschenden aufzufangen, falls sie nicht schwimmen können.
Wir planschen weiter. Hatem plaudert im Schatten.
Irgendwann kann ich Yamina zu einer Pause überreden. Wir ruhen uns unter einem Schirm aus, das tut gut.
Es ist ehrlich gesagt gar nicht so schlecht an einem Pool. Hätt ich nicht gedacht. Ich dachte immer, nur am Meer ist es toll. Aber der feine Sand, der überall klebt und reinkriecht, der starke Brandungswind und die hohen Wellen sind anstrengend.
Am späten Nachmittag, als es grad am schönsten ist, ruft uns unsere Gastgeberin per Handy nach Hause. Mittagessen ist fertig, um 17.00 Uhr. Ganz normale Mittagessenszeit in Ägypten.
Wir brechen unser Lager ab und gehen heim. Wir ruhen uns etwas aus, essen, gehen duschen. Yamina legt sich auf's Bett und singt vor sich hin, während ich mich umziehe. Plötzlich schläft sie ein, um 19 Uhr.
Ich baue eine Wand aus Kissen um sie auf, damit sie nicht aus dem Bett rollt. Sie ist soooooooo müüüüüüüüüüüüde. Hatem, ich und unsere Gastgeberfamilie sitzen auf der luftigen Terrasse. Im Zimmer ist es ziemlich warm. Der Ventilator läuft die ganze Nacht ohne Pause.

So gegen 21.00 Uhr möchte uns unsere Gastgeberfamilie noch nach Marina, einem benachbarten Nobelbadeort, ausführen. Ich soll Yamina wecken, damit wir gehen können. Ich versuche sie zu wecken, geht nicht. Sie ist so müde. Ich hole sie zu mir auf den Schoß auf die Terrasse, sie schläft weiter, sie ist unweckbar. Redda meint, ich könne sie schlafend anziehen und schlafend mitnehmen. Sie erwacht ein bisserl und sagt, sie wolle im Bett bleiben. Ich kann das nur unterstützen, denn warum soll ich ihr diesen Stress antun. Sie hat so viel geplanscht, viel erlebt, sie ist einfach total erschöpft. Der Marina-Ausflug wird abgesagt, es wird geplant, die Freunde und Geschwister von Sahar, unserer Gastgeberin, in deren Wohnung zu besuchen, um bei ihnen auf der Terrasse zu plaudern. Ich bleibe bei Yamina und leg mich um 22.00 Uhr zu ihr ins Bett.
Am nächsten Tag wird sie gegen 9 Uhr wach, kriegt kaum die Augen auf. Wir wundern uns schon ein bisserl. Sie muss total müde gewesen sein. Sie nickt immer wieder ein, ist nicht wachzukriegen. Erst gegen 10.30 steht sie auf. Ist aber schmusig und geht nicht von mir weg. Heut ist geplant, nach Marina zum Strandbad "La Femme", ein Frauenstrand, zu fahren.
Wir essen noch was und um 13 Uhr gehts los. Wir pferchen uns in altbekannter Manier wieder ins Auto, Yamina schläft sofort auf meinem Schoß ein. Komisch. Da stimmt was nicht. Ich glaub, sie hat gestern zu viel Wasser und Sonne abbgekommen. Ich weiß nicht, wieviele Holperschwellen wir in Marina überfahren - rums-rums-aua - bis wir endlich im "La Femme" ankommen.
Die Männer gehen in ein Café und wir Frauen gehen ins "La Femme". Es ist ein abgegrenztes Strandbad nur für Frauen. Schilfwände schirmen den Bereich von Männerblicken ab. Dort können sich muslimische Frauen ohne ihre "Ganzkörperschwimmanzüge" in normaler Badekleidung ohne Kopftuch frei bewegen, im Meer oder im Pool schwimmen. Am Eingang werden die Wasserflaschen abgenommen - man soll sich drin was kaufen - ich stell mich doof, geh einfach durch, nehme mein Wasser mit. Es wird nach einer Kamera gefragt, ich überhöre die Frage.

Ich erwarte einen weitläufigen Strand mit viel Platz, Cafeterias. Mein erster Eindruck, nachdem wir das Schilfwände-Portal durchschritten haben ist :"Frauenpferch". Kein weitläufiger Platz, viel zu viele Frauen. Ich schätze der Strandbereich ist ca 150 Meter breit und geht dann nach hinten in die Tiefe, vielleicht 200 Meter. Sooooooooo arg viel ist das nicht. Und links und rechts dichte Schilfrohr-Wände. Im Strandbereich ist die große Tanzfläche, aussenrum Buden, die Klamotten feilbieten, Kosmetikstudios, Hennastudio-Hütten, Rasta-Locken-Flecht-Hütten, eine Cafeteria, Duschen und Umkleidekabinen.
Ich hab eh schon Kopfweh heut. Gestern zu viel Sonne und Wasser abbekommen. Leichten Sonnenbrand auf dem Rücken (dort wo ich mit der Hand beim Einschmieren nicht hinkam und keine 50-er Lichtschutzcreme verteilt habe). Kopfwehtablette wirkt hoffentlich bald. Laute orientalischeMusik aus Riesenboxen dröhnt durch Kopf und Körper. Soll das jetzt schön sein? Wir überqueren eine sandige Tanzfläche, wo Mädchen und Frauen bauchtanzen. Direkt an der Brandungskante ist eine Liege neben der anderen, kaum ein fußbreit Platz dazwischen. Es sind nur noch wenige Liegen frei, wir sind aber eine Gruppe von ca 10 Frauen und Kindern. Ich bin schon wieder leicht angenervt. Yamina ist müde, ich auch. Ich will heut keine Sonne. Mir ist heiss. Unter keinem Schirm ist Platz, alles belegt. Voll. Eng, Laut.
Ich entdecke im hinteren Bereich, ca. 20 Meter von der Brandungszone entfernt einen großen Schattenbereich. Dorthin gehe ich. Eine andere Frau aus meiner Gruppe begleitet mich mit ihrem Baby, auch sie will keine Sonne.
Eifrige Angestellte schleppen eine Sitzgruppe bestehend aus 2 großen Couchen, Stühlen und einem Tisch an. Das ist gut. Ich lasse mich nieder. Yamina kuschelt sich bei mir ein, schläft wieder.
Ich mag nicht ins Meer. Die anderen Frauen entblättern sich bis auf Badeanzug und Radlerhose, wickeln noch ein lockeres Tuch um die Hüften und gehen Richtung Meer. Ich bin froh, dass Yamina heut Ruhe braucht, ich brauch sie auch. Ich sitze im Schatten, streichle Yamina den Rücken und lasse die Stimmung auf mich wirken.
Ein paar Meter von mir entfernt beobachte ich eine richtig orientalische geschminkte Alte. Wie eine Diva trohnt sie fett auf ihrem Sofa. Kaut langsam und gemächlich. Ihre Gesichtszüge sind ihr vor Jahren wohl schon entglitten. Eine große verspiegelte Brille verdeckt hornissengleich ihre Augen, doch ihre gezupften und von Hand gemalten Augenbrauen schwingen sich weit über dem Brillenrand Richtung Haaransatz. Ihr gefärbtes hennarotes Haar ist streng nach hinten gekämmt, über der Stirn bändigt ein über und über mit goldenen Pailletten verziertes Haarband ihre widerspenstigen Locken. Minuten vergehen, sie kaut gedankenverloren im immer gleichen Rhythmus. Die wulstigen Lippen sind gelackt und mit einem breiten Konturenstift dunkelbraun umrandet. Goldene Ohrgehänge baumeln im Wind und im Rhythmus ihrer mahlenden Kiefer.
Ich habe genug gesehen.

Die Frauen meiner Gruppe kommen vom Meer zurück und wollen zum Pool. Yamina wird etwas aktiv, will auch zum Pool. Wir gehen kurz ins trübe Wasser, nach 10 Minuten reichts, wir gehen wieder auf unser Sofa. Yamina schläft wieder ein. Sie zeigt auf ihren Hals, klagt über Schmerzen. Ist weinerlich. Sie ist krank, das ist nun klar.

Auf der Tanzfläche findet nun ein Bauchtanzwettbewerb statt, ein Mädel nach dem anderen schwingt anmutig die Hüften. Wir schlendern zur Tanzfläche, um zuzusehen, sind selber kurz Ziel aller Augen. Die Mädchen tanzen wirklich schön, gefällt mir besser als das europäische Discogestampfe.

Gegen 19.00 Uhr haben meine Damen endlich genug vom Baden, sie verhüllen sich wieder nach und nach und wir gehen. Yamina hat inzwischen Fieber, sie wird zunehmend heisser. Innerhalb von Minuten geht es ihr immer schlechter.
Es gibt eine Kinderklinik in Marina. Dorthin fahren wir sofort. Der Arzt stellt eine akute Halsentzündung fest, misst 39,7 ° C Fieber, verschreibt Fieberzäpfchen, Fiebersaft und eine Antibiotikaspritze. Yamina weint. Im Auto schläft sie wieder weinend ein. Sie möchte auch daheim nicht von meinem Schoß weichen, ich lege ihr kühle Tücher auf die Stirn, kühle ihr die Arme und Waden. Das tut ihr gut. Wir bringen sie ins Bett.
3.9.06 18:37


Immer noch Dienstag, 29.August

Der Strand ist wunderbar, weiß, der Sand fein. Und fast leer. Nur direkt an der Brandungszone sitzen ein paar Grüppchen in Plastikstühlen und Liegestühlen unter Sonnenschirmen. Auch wir mieten uns Stühle und Schirme. Die Brandung ist ganz schön heftig, die Wellen türmen sich kurz vorm Strand ca 1 Meter hoch bevor sie brechen und sich tosend an den Strand ergießen. Wir stürzen uns in die Fluten, es ist WARM. So warm hab ich noch nie ein Meer erlebt. Wunderbar. Man mag gar nicht mehr rausgehen. Aber das Springen in den Wellen ist anstrengend, wir kreischen wenn sich unerwartet eine Riesenwand vor uns aufbaut und über unseren Köpfen wild zu schäumen beginnt. Dann ist Hochspringen zwecklos, durchtauchen ist die bessere Alternative, weit weniger anstrengend. Ich denke an den Tsunami vor ein paar Jahren in Südostasien. Welche Wahnsinnskraft hat das Wasser.......
Ich setz mich an den Strand, an die Wasserkante, wo das Wasser nur noch hochleckt. Yamina, Hatem und ich buddeln und bauen Sandtürme, die die nächste Welle wieder mitnimmt. Weich fließt der Sand zwischen den Händen durch. Ein wunderbares Gefühl. Die Gischt liegt salzschwer in der Luft. Das ist eine gesunde Inhalation für die Lungen. Endlich Entspannung.
Ich hatte zum Baden meinen Badeanzug an, doch es ist üblich - selbst unter Frauen - dass man mindestens eine Radlerhose dazu trägt um die Bikinizone und die Oberschenkel zu bedecken. Ich trage eine knielange Bermuda, die klatschnass an mir klebt, als ich aus dem Wasser rausging. Ich wickle mir ein Handtuch um die Hüften und versuche mit viel Gezerre und Gereisse diese blöde klatschnasse Hose auszuziehen. Will ja nicht am ersten Tag schon ne Blasenentzündung produzieren. Bin leicht angenervt. Krieg das nasse Zeug kaum runter. Eine Umziehkabine gibt es leider nicht. Und ich will die nasse Hose nicht am Körper trocknen lassen.
So ein Zirkus wegen ein paar Zentimeter "hochgefährlicher" Frauenhaut...........Andere Länder, andere Sitten.

Ich beobachte einige Frauen, die vollbegkleidet ins Wasser gehen und dann klatschnass im Wind sitzen um wieder zu trocknen. Sie tun mir leid. Das muss doch von Kopf bis Fuß kleben und jucken. Sand, Salz, Wasser..........
Es gibt aber auch extra Badeanzüge für Musliminnen, sie sehen aus wie unsere Taucheranzüge, entweder mit langem Bein oder radlerhosenkurz. Am Hals hochgeschlossen und mit langem oder kurzem Arm. Es ist dünner Badeanzugstoff, den man nach dem Bad trockenreiben kann, und der dann im Wind ruck zuck trocken ist. Manchmal ist noch ein angeschnittenes Miniröckchen dabei. Statt Kopftuch tragen viele Bademützen. Das lass ich mir eingehen, ist zweckmäßig.

Mit meiner knielangen Bermuda bin ich sicher länger nass als sie. Vielleicht kauf ich mir noch so nen Taucheranzug mit der Kurz-Hosen- und Kurz-Arm-Version. Meist trag ich eh noch ein T-Shirt drüber, da ich so schnell Sonnenbrand bekomme.

Um 19.00 Uhr packen wir unsere Sachen zusammen, es gibt Abendessen.
Wir schlendern über den Strand zurück in die Wohnsiedlung. Hatem, Yamina und ich wollen die paar Meter zu Fuß zum Haus gehen. Wieder Fehlanzeige, wieder werden wir genötigt, ins Auto zu steigen und die 200 Meter zum Haus zurückzufahren. rums-rums wieder über 2 Schwellen.

Ich hol erst mal Putzzeug und bereite das Bad so auf, dass ich auch mal ne Shampoo-Flasche wo ablegen kann.

Wir sind ziemlich erschöpft von der Fahrt und vom Kampf mit den Wellen.
3.9.06 18:35


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