kreativatelier

 

* Startseite     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt



* Themen
     geperlt
     gestickt
     gebastelt
     gesägt
     gefilzt
     gemalt
     gestrickt
     gehäkelt
     gepatcht
     genäht
     gehustet

* Links
     Locations of</a><br>
	      <a class=
     stricken mit links
     ingwi's blog
     chic-in-strick
     Anke-Art
     Bastelqueen's Page
     Eule's Handarbeiten
     Petra strickt
     Moni strickt






Flug nach Ägypten

Freitag, 25.8.06 Pfaffenhofen, Kairo, Zagazig

Der Abflug verzögert sich um fast eine Stunde.
Yamina ist sehr aufgeregt und voller Vorfreude. Kaum über den Wolken angekommen ist sie auch schon eingeschlafen und verschläft den gesamten Flug inclusive heissersehntem Kindermenü.
Der Flug ist ruhig, kaum ein Gewackel in der Luft. Wunderbar. Meine Reisetabletten tun auch ihr Werk, ich fühle mich wunderbar. Auch die Landung bringt keine Schwindel-Probleme. Nur bei Yamina kommt das gefürchtete Ohrenweh durch den Druckunterschied.

In Kairo angekommen zuckeln wir durch Passkontrolle und Kofferkontrolle......auch ohne Probleme. Inzwischen ist es schon nach 3 Uhr morgens Kairoer Zeit. Wir sind alle soooooooooo müde.

Es ist sehr warm...........ca 27 Grad.......um 3 Uhr nachts. Kerosinduft liegt in der Luft. Das ist Kairo.

Wir werden von Hatem's beiden Brüdern abgeholt und von Redda, einem Freund. Ein großes Hallo. Die grösste und schönste Überraschung am Auto war dann, dass Hatem's Neffe Moamen und auch die "Kleinen", Salma und Hatem mitdurften, um uns abzuholen.

Ich freute mich soooooooooo auf Nana Nawal, Fifi und..........ein Bett.
Doch das sollte noch Stunden dauern, denn Redda, unser "Chauffeur" hat sich aus unerfindlichen Gründen verfahren und fuhr erst ziemlich weit nach Kairo rein.........das war ein Umweg von mehr als 1,5 Stunden.
Mal musste Yamina, mal ich in "die Büsche"......das war weniger angenehm, aber nicht zu vermeiden.

Um 6.00 Uhr waren wir endlich in Zagazig und konnten die ganze Familie begrüßen, die extra wegen uns aufgeblieben war. Draussen war es schon hell, als wir gegen 7 Uhr morgens ziemlich erschöpft ins Bett wankten.
2.9.06 12:13


Werbung


Samstag, 26.8.06, Zagazig

Es ist heiss im Zimmer.
30°Grad, die ganze Nacht. An diesem Morgen schlafen wir bis ca 10 Uhr. Immer noch müde stehen wir auf, frühstücken ein bisserl und suchen aus allen Koffern die Schokolade raus, um sie schnellstens in den Kühlschrank zu bringen.
Ich lege mich immer wieder hin, steh wieder auf, bin noch etwas orientierungslos, noch nicht ganz angekommen, vor allem noch nicht ausgeschlafen.
Yamina und Hatem gehen runter zu Yamina's Cousins und Cousinen, die süße wilde Horde rennt von Stockwerk zu Stockwerk und sie spielen überall. Yamina wird geherzt und geküsst und von allen gestreichelt und bespielt. Ha, das ist praktisch. Sooooooo viele "Baby-"Sitter hab ich daheim nicht.
Gegen 15 Uhr gehen wir zu Mama Nawal, meiner Schwiegerma und zu meinem Schwiegerpapa in die Wohnung zum späten Mittagessen. Das ist ganz nach meinem Geschmack.
Fladenbrot, Köfta (Hackfleischrollen, innen hohl, vom Grill), Tahina (Sesamsauce mit Knoblauch), Nudelauflauf mit Bechamelsauce und bissl Hackfleisch, Salat aus Tomaten, Gurken, Zwiebeln, dazu noch "Gargir" (bei uns Rucola genannt). LEEEEEEEECKER. Ich kann mich mit Genuss satt essen.

Anschließend so gegen 17 Uhr machen Yamina und ich ein Nickerchen von über 3 Stunden. Yamina mag zwar zuerst nicht schlafen, weil sie gar nicht merkt wie müde sie eigentlich ist.........sie ist total überdreht. Mit vielen Bauch-Krauli-Einheiten und einigen Schlafliedern schaff ich es doch, dass sie einschläft. Sie ist total erschöpft, ich auch.
Um 20 Uhr stehen wir wieder auf und gehen von Stockwerk zu Stockwerk um weitere Verwandte zu begrüßen. Überall gibts Kuchen, Tee, Saft. Yamina rennt schon wieder mit ihren Cousins durch die Wohnungen. Einmal hatte sie ne kurze Weinphase und wollte nicht mehr von meinem Schoß weichen, es war ihr für nen Moment alles zu viel. Klar. Fremde Sprache. Die Wärme. Zu viele gut gemeinte Bussis.
Um 23 Uhr gehen wir schlafen. Der Ventilator über unserm Bett läuft die ganze Nacht. Es kühlt nicht unter 29,2 ° C im Schlafzimmer runter. Wir hätten zwar ne Klimaanlage, trauen uns aber noch nicht so ganz. Müssen es erst ausprobieren.
2.9.06 12:15


Sonntag, 27.8.06, Zagazig

Früh morgens oder mitten in der Nacht - ich weiß es nicht, da ich meine Augen nicht aufbekomme, höre ich draussen einen Vogel kreischen. Ich hatte ihn schon total vergessen, aber letzten November war er auch da und schrie in der Nacht. Wir wachen um 10 Uhr auf, Yamina schläft noch ne halbe Stunde länger, sie ist sooooooo müüüüüüüde. Als erstes inhaliere ich meine bronchialerweiternden Mittel und anschließend das Antibiotikum. Beides tut mir sehr sehr gut. Ohne ging's überhaupt nicht.
Die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch, es ist diesig draussen, man sieht in 300 Metern Entfernung nachts und früh morgens kein Haus mehr und ab dem 4.Stock aufwärts auch nicht. Sie verschwinden in einem Schleier aus Dunst, Nebel und Staub.
Man sitzt und schwitzt. Aber es ist nicht unerträglich. Im Wohnzimmer und im Schlafzimmer haben wir sowohl einen Deckenventilator als auch ein Klimagerät. Jetzt um 13 Uhr hat's auf dem Balkon 32,5 ° C im Schatten. Ich sitze an der offenen Wohnzimmer-Balkontüre, ein bisserl Luftbewegung (auch wenn's heisse Luft ist) tut gut.
Duschen geht kalt wunderbar, das erfrischt. Ich brauch kein heisses Wasser dazumischen. Daheim nicht auszudenken, da kann ich kaltes Wasser nur direkt nach der Sauna aushalten.
Übermorgen werden wir mit Freunden, Redda und Sahar und deren 3 Kinder (2 Mädchen 19 und 16 Jahre alt, und Mohammed, 5 Jahre), ans Meer fahren. Die beiden Brüder von Sahar werden auch mit ihren Familien mitfahren. Wir sind voller Vorfreude auf's Meer. Hatem freut sich besonders auf die Brüder von Sahar, es müssen tolle Familien sein. Sie gehören hier zur Oberschicht, den VIPs und Hatem freut sich auf anregende Gespräche über Wirtschaft, Politik, Handel und Technik.
Ich freu mich auf Sahar und auf's Meer. Yamina freut sich auf's Planschen. Ob Yamina viel mit dem Jungen spielen wird, kann ich noch nicht beurteilen, denn bei unserem Besuch im letzten Jahr habe ich ihn als etwas verwöhnt kennengelernt. Er fuhr mit einem Elektro-Auto durch das Wohnzimmer und rammte laufend absichtlich die Innenausstattung, ohne dass er nachhaltig ermahnt wurde, dies zu lassen.....na ja, schaun wir mal.

Alle paar Stunden schallt der Gebetsruf des Muezzins ans Ohr. Aber nicht nur EIN Gebetsruf EINES Muezzins, nein, per Lautsprecher schallt es aus allen Moscheen und Gebetsräumen des Stadtviertels. Heiliger Lärm. Ein orientalisches Klangorchester.......... durchmischt vom endlosen Gehupe der Autos und von plärrenden Lautsprecheransagen von "fliegenden Händlern",- die mit Pferde- oder Eselkarren durch die Straßen ziehen und entweder Gasflaschen oder - kunstvoll auf Kopf und Schultern aufgetürmt balancierend - Plastikgeschirr und -schüsseln verkaufen wollen oder Altmetall und Schrott einsammeln.

Ein Genuss der besonderen Art sind die frischen Mangos. Wir haben Glück, dass gerade noch Mangozeit in Ägypten ist. Hier ist es nicht so - wie in Deutschland - dass man fast schon zu jeder Jahreszeit jedes Obst und Gemüse importiert kaufen kann. Hier gibts auf dem Markt ausschließlich das Obst und Gemüse der Region und der Saison. Und Mangos sind derzeit ein Traum. Ein Genuss der jeder Beschreibung spottet. Süß, saftig, vollmundig, orange, weich mit Biss, auf der Zunge zergehend, ein Gipfel der Genüsse.
Ich werde auch in den nächsten Jahren die Mangos in den Deutschen Gemüseauslagen nur mit einem verächtlichen Seitenblick streifen und weiter keines Blickes würdigen, denn das was man dort angeboten kriegt ist eigentlich eine Frechheit. Grün geerntet, grün verkauft und wenn man Pech hat, fault sie auch noch grün.
Hier dagegen wird reif geerntet, reif verkauft und reif verspeist. LEEECKER. Eine Enzym- und Vitaminbombe.
Bei den Guaven ist es ebenso. Guaven allerdings habe ich in Deutschland noch nie gesehen. Ich vermute, sie sind zu zart und zu emfindlich, als dass man sie exportieren könnte. Sie duften nach einer Mischung aus Birne und Zitrusfrucht. Püriert und mit Milch gemixt ergibt es einen wunderbaren Milchshake.

Gerade lässt sich eine Fliege auf meinem leergegessenen Mangoteller nieder. Aber ich verscheuche sie nicht, soll sie doch auch genießen dürfen. Ich kann's ihr nicht verdenken. Sie stempelt sich mit ihrem Rüssel durch den Mangotraum, stupf-stupf-stupf, hierhin, dorthin, hier noch ein bisschen, dort noch ein wenig. Stupf-stupf-stupf. Zwischendurch mit den Vorderbeinen kurz den Rüssel geputzt, dann geht's weiter, stupf-stupf-stupf. Unersättlich, wie es scheint. Ah, jetzt kleben auch noch die Hinterbeinchen im Mangosaft. Schnell werden auch sie wieder geputzt. Linkes Beinchen, rechtes Beinchen und wieder rein in die Mitte des Tellers. Madame Fliege genießt offensichtlich die Wanderung im Mangosumpf. Für sie steht der Mangosaft knöcheltief im Teller. Was für ein Erlebnis und Genuss.......auch für sie.

34,1° Grad zeigt das Thermometer, das ich auf den Südbalkon gestellt habe. Es stand grad noch im Schatten, noch 10 cm und die Sonne hätte direkt draufgeschienen. Soll ich das Thermometer mal direkt in die Sonne stellen? Ja? Ok.
............10 Min später.......... es zeigt 42,8 °C in der prallen Sonne...........ganz schön heiss.........

Nachmittags gehen wir wieder zum Essen zu Mama Nawal. Es gibt wieder supergutes ägyptisches Essen.
Und zum Nachtisch..............MANGOOOOOOOOOOOOOOOOOOO.
Allerdings ist die ägyptische Mango-Ess-Technik ganz anders als meine. Ich schäle sie zuerst, schneide dann das Fruchtfleisch vom faserigen Kern und schneide dann kleine mundgerechte Stückerl.
In Ägypten schneidet man die Mango hochkant in der Mitte rundum einmal durch, dreht dann die untere Hälfte und die obere Hälfte gegeneinander, so dass man die eine Hälfte abheben kann. Der Kern steckt in der anderen Hälfte. Man isst die Hälfte ohne Kern wie ein Ei, d.h. das Fruchtfleisch wird rausgelöffelt.
Yamina ging das nicht schnell genug, sie steckte ihr halbes Gesicht in die Mango und schlürfte den süßen Genuss mit geschlossenen Augen direkt aus der Schale.
Süß rinnt der Saft über ihre weichen runden Wangen und trieft und tropft von ihrem Kinn.

Später am Abend, als ein leichtes Lüftchen durch die Straßen weht und den Aufenthalt im Freien möglich macht, fahren wir - Yamina, Hatem, seine Schwester Hafza mit deren Sohn Moamen und ich - in die Stadt. Wir quetschen uns durch ein überfülltes Riesenzelt mit unzähligen Verkaufsständen mit kreischenden Händlern und schiebenden und schubsenden Kunden. Wir kaufen eine Galabiya, leicht und angenehm.
Anschließend wagen wir uns noch weiter - Hatem am Steuer eines Wagens mit wohl defekter Kupplung, es ruckelt und ruckelt - und gehen ins "Salam Shopping", hier ist es zum Glück klimatisiert. Man könnte fast in einen Kaufrausch verfallen, viele schöne tunikaähnliche Oberteile, schön weit, mit Stickerei, besetzt mit Pailletten, Muschelchen, Perlen. Schön lang. Man ist einfach korrekt gekleidet in der Hitze.
Ich suche mir 4-5 Oberteile aus. Wunderschön.

Wieder daheim gehen wir noch zu Zohir und Rasha in die Wohnung.........habe ich schon erwähnt, dass wir im 5. Stock wohnen und an 4 Geschwisterfamilien vorbei müssen um dorthin zu gelangen? Hört uns jemand im Treppenhaus, geht gleich die Türe auf und wir werden auf einen Tee geladen. Ich habe keine Armbanduhr um. Yamina spielt wild mit den Kindern Salma und Hatem, sie ist glücklich. Irgendwann seh ich auf die Wanduhr. 0,30 Uhr ???????!!!!! Ich dachte , höchstens 22 Uhr, aber 0.30 Uhr? Wo ist die Zeit hin? Das ist Ägypten, Man schläft bis 11 Uhr, frühstückt bis 12 und bis man in die Gänge kommt ist es schon Nachmittag.
2.9.06 12:17


Montag, 28.August 2006, Zagazig

Yamina und ich schlafen bis 10.30 Uhr. Hatem ist schon unterwegs im Haus.
Als er mittag kommt kündigt er den Zimmermann an. Wir bestellen einen Schlafzimmerschrank, einen Schreibtisch und ein Regal für Yamina's Kinderzimmer, damit sie ihre Spielsachen aufräumen kann.
Eine ganze Männergesellschaft rückt mit an.
Hatem's Papa, sein älterer Bruder Anas, sein Schwager Adel, Hatem und der Zimmermann. So laufen hier die Geschäfte. Ich koche Tee für alle. Die Klimaanlage läuft, es ist angenehm.
Ich ziehe mich ans Notebook zurück, schreibe Tagebuch, habe bei den Männern nichts verloren, fühle mich "nicht dazugehörig".
Nacheinander kommen alle Kinder des Hauses zu uns hoch.
Ranja (12), Marua (10), Habiba (3,5), Salma (6), Hatem (5) und unsere Yamina (4) toben wie die wilde Horde durch die Wohnung.

Ich möcht so gern ins Internet......aber leider klappt der Anschluss unseres Notebooks noch nicht. Schade. Möcht mich gern mal per Fax daheim melden. Aber wofür hab ich denn ein Handy?.....

So, jetzt darf ich nach guter Hausfrauenmanier den Besen und Wischmopp schwingen, heute hat sich noch Besuch angemeldet, die Freunde, mit denen wir morgen ans Meer fahren, kommen zu einem traditionellen Willkommensbesuch. Und hier liegt der Staub dick am Boden. Kehren ist aber eine schlechte Idee, denn das wirbelt nur den Staub auf, der dann sofort die Gelegenheit nutzt, sich wieder niederträchtig auf dem Boden niederzulassen, kaum dass man ihm den Rücken zuwendet.

Also muss ein Staubsauger her............

.......
das Saugen und Wischen hat doch tatsächlich Erfolg gebracht, es ist sauber.

Zum Mittagessen so gegen 16 Uhr sind wir eine Etage tiefer bei Anas (Hatem's älterem Bruder) , seiner Frau Sahar und den Kindern Ranja, Marua und Habiba eingeladen.
Der Tisch biegt sich unter ägyptischen Leckereien. Gebratene Hähnchen, Mahschi, das sind mit Reis und Gemüse und wenig Hackfleisch gefüllte Minizucchini und gefüllte Miniauberginen (oft kaum daumendick), gefüllte gerollte Weißkrautblätter (wie unsere bayrischen Krautwickerl, nur dünner, wie Zigarren), panierte hauchdünne Schnitzel (Pute oder Rind), Tahina (Sesamsauce), Tomaten-Gurken-Salat. Wir schlemmen mit Appetit.
Anschließend gibts noch Tee. Wir sitzen und plaudern einige Stunden.
Zum Glück konnte Hatem den sich bei uns angekündigten Besuch absagen, es wär alles zu viel geworden, die Koffer für morgen müssen schließlich auch noch gepackt werden.

Gegen 23 Uhr bringen wir Yamina ins Bett und machen uns ans Kofferpacken. Mit einigen Unterbrechungen sind wir um 2 Uhr früh fertig, Um 4.45 soll der Wecker läuten, da wir um 6 Uhr früh abgeholt werden, um möglichst früh am Mittelmeer anzukommen.
Ziel ist der Badeort "Green Beach", 85 km westlich von Alexandria, Nähe El Alamein. Eines von unzähligen künstlich am Mittelmeerstrand in den Sand gesetzten Feriendörfern, die sich wie eine Perlenkette an der Nordküste Ägyptens anschmiegen.
2.9.06 12:21


Dienstag, 29.August 2006, Fahrt ans Mittelmeer

Wir machen kaum ein Auge zu in dieser Nacht, da wir ohnehin nur noch 2,5 Stunden Schlaf vor uns haben und Yamina obendrein sehr unruhig schläft.
Um 4,45 piepst der Wecker, wir sind schon wach. Ich mache Tee und bereite ein Frühstück und einigen Reiseproviant vor. Gegen 5.10 wecken wir Yamina.
Um 5,45 stehen wir reisefertig in der Tür.
Wir warten, warten, warten..................6.15 Uhr................7.00 Uhr............7.30 Uhr..............wir stehen auf dem Balkon, schauen auf die Straße, ob ein Auto um die Ecke biegt, inzwischen ist die Sonne aufgegangen, wir warten.........Hatem trägt schon die Koffer die 5 Stockwerke nach unten...........wir warten...........wir versuchen Redda auf seinem Handy anzurufen, ......es ist ausgeschaltet........wir warten.......zwischenzeitlich legt sich Hatem nochmal auf's Bett, er ist todmüde............wir warten..............um 8.00 Uhr endlich erreichen wir Redda. Er scheint noch zu schlafen. Er kündigt sein Kommen in einer halben Stunde an.
Endlich, gegen 8.30 kommt er uns abholen. Vorne auf dem Beifahrersitz sitzt sein 5-jähriger Sohn Mohammed und dessen 12-jähriger Cousin Mohammed, der auch mitfährt.
Wir verstauen unsere Koffer und Taschen im Kofferraum und setzen uns ins Auto. Wir denken, es geht nun direkt los. Doch es kommt anders. Wir müssen erst nochmal zu ihm nach Hause, Frau und Tochter abholen, die ältere Tochter ist schon mit ihrem Onkel vorausgefahren.
Ich frag mich schon, wo die noch sitzen wollen......
Das Hauspersonal von Redda und Sahar bringen Koffer und Taschen und Tüten zum Auto......wo soll das alles hin? Es gibt keinen Dachständer. Ich vermute ein zweites Auto. Fehlanzeige. Alles muss rein, Menschen und Koffer.
Es wird geschoben, gedrückt, gezogen, wieder ausgeladen, wieder neu beladen. Irgendwann ist der Kofferraum voll. Der Rest muss ins Wageninnere.
Jeder Luftraum wird vollgestopft. Endlich kann die Fahrt losgehen.
Vorn sitzen Redda (er hat den besten Platz, er ist der Fahrer), auf dem Beifahrersitz sitzt seine Frau, daneben, halb auf dem Sitz, halb auf der Handbremse der 12-jährige Mohammed, der Fußraum ist voll mit Gemüsetüten und Esszeug.
Hinten sitzt links Hatem mit einem Koffer auf seinem Schoß und einer Tasche zwischen den Füßen, in der Mitte sitze ich mit Yamina auf dem Schoß und einer Tasche zwischen den Füßen, rechts neben mir sitzt die 16- jährige Noreen auch mit Rucksack im Fußraum und daneben eingequetscht sitzt noch der 5-jährige Mohammed. Eng, enger, am engsten. Atmen geht noch, bewegen nicht mehr. Ich kann lediglich meine Füße mal 10 cm vor oder zurückbewegen.
Das haben wir nicht erwartet. Nach kurzer Zeit ist ab der Hüfte abwärts alles eingeschlafen, die Straßen sind voller Löcher und alle paar Hundert Meter ist eine Schwelle auf der Straße, um die Geschwindigkeit niedrig zu halten. Es muss jedesmal bis auf 20 km/h abgebremst werden und in Schrittgeschwindigkeit diese Schwelle überfahren werden, sonst sitzt der Wagen auf. Das Hochfahren auf die Schwelle geht noch, aber beim Runterfahren rumst jedesmal das volle Gewicht des Wagens auf die Federn und Achsen. Und.......auf mein Steißbein. Es tut schon nach einigen Kilometern höllisch weh.
Die Fahrstrecke führt durch das Nildelta nach Alexandria und dort an der Küstenstraße nach Westen.
Das Nildelta ist eng besiedelt, alle paar Kilometer kommt eine kleine Ortschaft, und jede Ortschaft ist voll von diesen Schwellen. Rums - und rums - und rums, immer wieder. Beschleunigen auf 80 km/h, dann Vollbremsung - falls er die Schwelle zu spät entdeckt - rauf - und wieder runter - rums, AUA.
Ich versuche mich abzulenken, sehe aus dem Fenster, sauge das Land in mich auf. Die Landschaft, die Leute. Ich sehe in den Dörfern Tiere und Menschen gleichermaßen aus den Häusern kommen. Frauen waschen ihr Geschirr im Fluss, balancieren turmhoch die Wäsche oder ihre Einkäufe auf dem Kopf. Draussen ist es schon heiss, niemand hastet, alle schlurfen langsam in ihren Gummilatschen durch den Staub.

Rums - die nächste Schwelle.

Irgendwann machen wir Pause, ich glaube, es ist in Tanta. Im klimatisierten Auto war es besser. Im Café umschwirren uns Fliegen, Ventilatoren machen die Hitze erträglich. Wir trinken Tee und Cola.
Die Toilette beschreibe ich lieber nicht.

Die Fahrt geht weiter, wir essen vorbereitete Brote im Auto.

Die Kilometer schleichen dahin. Höchstgeschwindigkeit 80 km/h. Immer wieder rums- rums- rums. Ich kann kaum noch sitzen.
Zum Glück kann Yamina gut schlafen, es scheint sie nicht zu stören. Die Vorfreude auf's Meer hält unsere Laune hoch. Oft ist es gut, wenn man nicht weiß, was einen erwartet.

Kurz nach Alexandria stehen Mangohändler am Straßenrand. Wir halten. Redda steigt aus, raucht erst mal eine. Motor aus. Klimaanlage auch. Wir sitzen in der Mittagsglut im Auto, eingepfercht. Meine Wut auf ihn steigt. ER hatte ja immer Platz, ER hatte nie ein Gramm Kind auf dem Schoß, keinen Koffer auf dem Schoß, keine Steißbeinschmerzen. Da kann er locker mal ne Mango vom Straßenhändler probieren. Sind ja nur wir, die im heissen Auto eingepfercht sind. Seine Frau steigt auch aus. Haben sie uns vergessen?
Hatem öffnet die Tür, endlich ein Windstoß, ein heisser Windstoß. Aber ein heisser Wind ist besser als gar keiner.
Redda kauft eine 60 cm lange riesige Wassermelone und eine Holzkiste voller Mangos. ER braucht sie ja nicht auf seinen Knien stapeln. Irgendwie kriegen wir auch diese Fracht noch ins Wageninnere. Kann ich noch lachen? Ich weiß es nicht mehr.
Beim nächsten Händler werden noch 6-7 Zeitungen gekauft und dann geht die Fahrt weiter Richtung Feriendorf "Green Beach". Durch ein von Wachmännern belagertes Portal fährt man in den Ort hinein, jeder Ort hat viele viele gleich aussehende Mini-Villen, oder auch bis zu dreistöckige Häuser, in denen sich Ferienappartments befinden. Jeder Ort hat seine eigene Architektur, von interessant bis hässlich. In Green Bech ist eine große Freibadanlage mit Riesenrutsche, mehreren Pools verschiedener Tiefe, Sitzgruppen, Schirmen, Cafeteria etc.
Angekündigt wurde uns eine kleine Villa, die wir mit den anderen Familien teilen sollten, mit Pool und Zugang zum Meer.

Endlich sind wir da. In einer Einfahrt voller Unrat parken wir das Auto. Durch ein Treppenhaus voller Unrat betreten wir die Wohnung. Villa ist das keine. Wir dürfen uns eines der drei Schlafzimmer aussuchen. Klimaanlage gibts keine. Zum Glück einen wackligen Ventilator. Wir nehmen das Schlafzimmer mit dem mittelgroßen Bett, werden Yamina mit zu uns ins Bett nehmen. Ich inspiziere Bad und Küche. Zum Grausen. Es ist alles, leider alle so dreckig, obwohl Sahar vom Auto aus noch einen Putzdienst angefordert hat, da sie europäische Gäste mitbringe.........

Hatem und ich sind ziemlich enttäuscht. Erst die anstrengende Fahrt und dann dies.
Wir gehen in den Garten, wollen den Pool sehen. Rasen. Kein Pool. War wohl alles falsch erzählt. Meer. Wo ist das Meer? Wir sind in der Häuserreihe 7 oder 8 hinterm Strand. Man kann einen Meter Meer sehen, wenn man links und rechts am Nachbarhaus vorbeisieht.
Die Terrasse und der Garten sind ok, auch sauber. Eine blühende Hecke umzäunt das Grundstück. Die Kinder spielen gleich im grünen Rasen Ball. Da kommt ein "Wächter", der das Betreten des Rasens verbietet, angeblich komme bald eine Kommission, die "Sterne" verteilt und da dürfe der Rasen nicht zertrampelt sein.
Soll er doch erst mal den Dreck in der Einfahrt wegkehren, dann können wir weiterreden. Wir lassen die Kinder im Gras weiterspielen........alles was recht ist........

Sahar hat Essen aus Zagazig mitgebracht. Der Herd ist ein einziger Dreck, die ganze Küche ist versifft. Sie macht das Ofenrohr auf, da fallen gleich ein paar Brotreste vom Vorgänger raus.

Das Bad hat auch schon lange keinen Lappen mehr gesehn. Ich weiß nicht, wo ich was ablegen kann. Nirgends. Es ist so eklig. Die Seifenreste der Vormieter schleimen vor sich hin. Wasser steht auf dem Boden. Eklige Pfützen.
Yamina muss auf Toilette, ich halte sie drüber, damit sie keinen Hautkontakt bekommt................

Na, das kann ja was werden.

Auf der Terrasse ist es am schönsten, der Garten ist wirklich angenehm. Schön schattig, es weht ein angenehmes Lüfterl. Man hört das Meer rauschen.

Nach dem Essen packen wir unsere Strandsachen und gehen ans Meer. Ist ja nicht weit. ca 7-8 Häuserreihen.
Doch........Gehen.........Fehlanzeige. Wir werden genötigt, ins Auto einzusteigen um ans Meer runterzufahren. Wir steigen ins heisse Auto ein, pferchen uns wieder zusammen und fahren die 200 Meter runter Richtung Meer. Überflüssig zu erwähnen, dass auch hier wieder 2 Schwellen zu überwinden sind. Mir tut alles weh.
Nach diesen 200 Metern parken wir und gehen zum Strand. Warum braucht man da ein Auto???????????? Hatem und ich verstehen es nicht.
2.9.06 14:01


Immer noch Dienstag, 29.August

Der Strand ist wunderbar, weiß, der Sand fein. Und fast leer. Nur direkt an der Brandungszone sitzen ein paar Grüppchen in Plastikstühlen und Liegestühlen unter Sonnenschirmen. Auch wir mieten uns Stühle und Schirme. Die Brandung ist ganz schön heftig, die Wellen türmen sich kurz vorm Strand ca 1 Meter hoch bevor sie brechen und sich tosend an den Strand ergießen. Wir stürzen uns in die Fluten, es ist WARM. So warm hab ich noch nie ein Meer erlebt. Wunderbar. Man mag gar nicht mehr rausgehen. Aber das Springen in den Wellen ist anstrengend, wir kreischen wenn sich unerwartet eine Riesenwand vor uns aufbaut und über unseren Köpfen wild zu schäumen beginnt. Dann ist Hochspringen zwecklos, durchtauchen ist die bessere Alternative, weit weniger anstrengend. Ich denke an den Tsunami vor ein paar Jahren in Südostasien. Welche Wahnsinnskraft hat das Wasser.......
Ich setz mich an den Strand, an die Wasserkante, wo das Wasser nur noch hochleckt. Yamina, Hatem und ich buddeln und bauen Sandtürme, die die nächste Welle wieder mitnimmt. Weich fließt der Sand zwischen den Händen durch. Ein wunderbares Gefühl. Die Gischt liegt salzschwer in der Luft. Das ist eine gesunde Inhalation für die Lungen. Endlich Entspannung.
Ich hatte zum Baden meinen Badeanzug an, doch es ist üblich - selbst unter Frauen - dass man mindestens eine Radlerhose dazu trägt um die Bikinizone und die Oberschenkel zu bedecken. Ich trage eine knielange Bermuda, die klatschnass an mir klebt, als ich aus dem Wasser rausging. Ich wickle mir ein Handtuch um die Hüften und versuche mit viel Gezerre und Gereisse diese blöde klatschnasse Hose auszuziehen. Will ja nicht am ersten Tag schon ne Blasenentzündung produzieren. Bin leicht angenervt. Krieg das nasse Zeug kaum runter. Eine Umziehkabine gibt es leider nicht. Und ich will die nasse Hose nicht am Körper trocknen lassen.
So ein Zirkus wegen ein paar Zentimeter "hochgefährlicher" Frauenhaut...........Andere Länder, andere Sitten.

Ich beobachte einige Frauen, die vollbegkleidet ins Wasser gehen und dann klatschnass im Wind sitzen um wieder zu trocknen. Sie tun mir leid. Das muss doch von Kopf bis Fuß kleben und jucken. Sand, Salz, Wasser..........
Es gibt aber auch extra Badeanzüge für Musliminnen, sie sehen aus wie unsere Taucheranzüge, entweder mit langem Bein oder radlerhosenkurz. Am Hals hochgeschlossen und mit langem oder kurzem Arm. Es ist dünner Badeanzugstoff, den man nach dem Bad trockenreiben kann, und der dann im Wind ruck zuck trocken ist. Manchmal ist noch ein angeschnittenes Miniröckchen dabei. Statt Kopftuch tragen viele Bademützen. Das lass ich mir eingehen, ist zweckmäßig.

Mit meiner knielangen Bermuda bin ich sicher länger nass als sie. Vielleicht kauf ich mir noch so nen Taucheranzug mit der Kurz-Hosen- und Kurz-Arm-Version. Meist trag ich eh noch ein T-Shirt drüber, da ich so schnell Sonnenbrand bekomme.

Um 19.00 Uhr packen wir unsere Sachen zusammen, es gibt Abendessen.
Wir schlendern über den Strand zurück in die Wohnsiedlung. Hatem, Yamina und ich wollen die paar Meter zu Fuß zum Haus gehen. Wieder Fehlanzeige, wieder werden wir genötigt, ins Auto zu steigen und die 200 Meter zum Haus zurückzufahren. rums-rums wieder über 2 Schwellen.

Ich hol erst mal Putzzeug und bereite das Bad so auf, dass ich auch mal ne Shampoo-Flasche wo ablegen kann.

Wir sind ziemlich erschöpft von der Fahrt und vom Kampf mit den Wellen.
3.9.06 18:35


 [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung